Kinder & Spielsachen

Warum du bei Nagellack – besonders für Kinder – genau hinschauen solltest

Warum du bei Nagellack – besonders für Kinder – genau hinschauen solltest

Kurzfazit

Ganz ohne Nagellack wäre besonders bei Kindern die beste Lösung. Im Familienalltag wünschen sich Kinder aber häufig lackierte Nägel, weil sie es bei Erwachsenen sehen und selbst ausprobieren möchten.

Wir betrachten Nagellack deshalb als Kompromiss: möglichst selten, nicht bei nagelkauenden Kindern und nur mit sorgfältig geprüften Inhaltsstoffen. Gel- und UV-Nagellack würden wir bei Kindern vollständig vermeiden. Einen perfekten kunststofffreien Kinder-Nagellack haben wir bisher nicht gefunden.

Warum Nagellack problematisch sein kann

Nagellack benötigt Stoffe, die Farbe, Glanz, Haftung und eine zusammenhängende Schicht erzeugen. Viele Produkte enthalten deshalb:

  • Lösungsmittel
  • filmbildende Kunststoffpolymere
  • Harze und Weichmacher
  • Farb- und Duftstoffe

Die sichtbare Nagelplatte besteht überwiegend aus abgestorbenem Keratin. Sie ist eine gute Barriere, aber nicht vollkommen undurchlässig. Gerade Kinder besitzen sehr dünne Nägel und somit eine sehr dünne Barriere. Zudem landet Nagellack beim Auftragen schnell auf der Nagelhaut. Während des Trocknens werden Lösungsmittel eingeatmet.

Eine kleine Untersuchung mit 26 Erwachsenen zeigte nach dem Lackieren einen fast siebenfachen Anstieg eines Abbauproduktes von Triphenylphosphat im Urin. Triphenylphosphat, kurz TPHP, wird als Weichmacher eingesetzt und wegen möglicher hormoneller Wirkungen kritisch beurteilt. Die EU hat inzwischen beschlossen, TPHP in Kosmetikprodukten schrittweise zu verbieten.

Das beweist nicht, dass eine einzelne Anwendung krank macht. Es zeigt aber deutlich, dass Nagellack nicht einfach nur auf einer vollständig undurchlässigen Oberfläche liegen bleibt.

Warum Kinder besonders geschützt werden sollten

Kinder befinden sich noch in der Entwicklung und nehmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht teilweise mehr Stoffe auf als Erwachsene. Hinzu kommt der häufige Kontakt zwischen Händen und Mund.

Kinder, die:

  • an den Fingernägeln kauen
  • die Finger in den Mund nehmen
  • Nagellack abkratzen oder abziehen
  • noch nicht verstehen, dass Nagellack kein Spielzeug ist

sollten aus unserer Sicht keinen Nagellack auf den Fingernägeln tragen. Abgeblätterte Lackstücke können sonst direkt verschluckt werden.

Auch Flaschen und Nagellackentferner müssen immer ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Muss ich meinen bisherigen Nagellack ersetzen?

Nagellack muss nicht allein wegen seines Alters sofort entsorgt werden. Wir würden jedoch die Zutatenliste kontrollieren und das Produkt nur noch gelegentlich verwenden.

Besonders kritisch sehen wir:

  • Triphenyl Phosphate beziehungsweise TPHP
  • HEMA und andere reaktionsfähige Acrylate in Gel-Lacken
  • stark parfümierte Produkte
  • zahlreiche allergene Duftstoffe
  • Produkte ohne vollständige Zutatenliste
  • Gel- und UV-Systeme für die Anwendung zu Hause

Bezeichnungen wie „3-free“, „10-free“ oder „natürlich“ reichen als Beurteilung nicht aus. Sie sagen häufig nur, welche Stoffe nicht enthalten sind – nicht, wodurch diese ersetzt wurden.

Welche Alternativen sind sinnvoll?

Kein Nagellack bleibt besonders für kleine Kinder die beste und einfachste Möglichkeit.

Wasserbasierter Kinder-Nagellack enthält meist weniger stark riechende Lösungsmittel und lässt sich teilweise mit Wasser oder durch Abziehen entfernen. Viele dieser Produkte basieren jedoch auf Acrylpolymeren und sind deshalb nicht automatisch kunststofffrei. Sie halten häufig nur wenige Stunden oder Tage und können durch Wasser schnell abblättern.

Peel-off-Nagellack benötigt meist keinen Nagellackentferner. Das ist praktisch, allerdings können sich kleine Lackstücke lösen. Für Kinder, die an den Nägeln kauen oder die Finger in den Mund nehmen, ist er deshalb ebenfalls ungeeignet.

Schellack und Gel-Nagellack dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Natürlicher Schellack ist ein tierisches Harz. Produkte, die im Nagelstudio als „Shellac“ oder Gel-Lack bezeichnet werden, enthalten dagegen üblicherweise härtende Acrylate oder Methacrylate und sind nicht automatisch plastikfrei.

Gel- und UV-Lack würden wir bei Kindern nicht verwenden. Nicht vollständig ausgehärtete Acrylate können starke und dauerhafte Kontaktallergien auslösen. Die Anwendung sollte auch bei Erwachsenen nicht auf die umliegende Haut gelangen.

Sind natürliche Duftstoffe besser?

Nicht automatisch. Ein Duftstoff wirkt im Körper nicht anders, nur weil er aus einer Pflanze statt aus dem Labor stammt.

Ätherische Öle können allergene Stoffe wie Limonene, Linalool, Citral oder Eugenol enthalten. Diese können bei empfindlichen Menschen eine Kontaktallergie auslösen. Gerade bei einem Produkt, das tagelang auf dem Körper bleibt, würden wir deshalb eine möglichst duftstoffarme oder duftstofffreie Zusammensetzung bevorzugen.

So verwenden wir Nagellack möglichst zurückhaltend

Wenn Nagellack verwendet wird, achten wir auf folgende Punkte:

  • nur gelegentlich lackieren
  • in einem gut gelüfteten Raum anwenden
  • Nagelhaut und umliegende Haut aussparen
  • nicht auf verletzte oder entzündete Nägel auftragen
  • Kinder nicht unbeaufsichtigt lackieren lassen
  • bei Nagelkauen vollständig darauf verzichten
  • Lack bei starkem Abblättern entfernen
  • zwischen Anwendungen Pausen einlegen
  • Gel- und UV-Lack bei Kindern vermeiden

Umwelt

Viele Nagellacke bilden nach dem Trocknen eine Kunststoffschicht. Beim Abblättern, Abziehen oder Entfernen entstehen kleine Lackreste. Hinzu kommen Glasflaschen mit Kunststoffdeckeln, Pinsel, Entferner und Einwegprodukte zur Reinigung.

Die einfachste umweltfreundlichere Lösung ist deshalb nicht eine grosse Sammlung vermeintlich natürlicher Farben, sondern weniger Produkte und eine seltenere Anwendung.

Gesundheit

Die Nagelplatte schützt den Körper recht gut. Trotzdem ist Nagellack nicht nur ein oberflächliches Farbprodukt. Aufnahmewege bestehen über die angrenzende Haut, die Atemluft und den Hand-Mund-Kontakt.

Besonders relevant sind Acrylate und Methacrylate in nicht ausgehärteten Gel-Produkten. Sie können eine Kontaktallergie verursachen, die dauerhaft bestehen bleibt. Eine solche Allergie kann später auch bei medizinischen oder zahnmedizinischen Materialien relevant werden, weil dort teilweise verwandte Stoffe eingesetzt werden.

Bei herkömmlichem Nagellack stehen eher Lösungsmittel, Weichmacher, Duftstoffe und filmbildende Polymere im Mittelpunkt. Für uns ist die Konsequenz deshalb klar: nicht dramatisieren, aber die Anwendung bewusst reduzieren – besonders bei Kindern.

Unser bisheriger Kompromiss

Produkt: Provida Living Nails COLOR Bio-Nagellack

Testdauer: Mehrere Monate

Bewertung: ~ Kompromiss

Produktlink: [Hier ansehen]

Wir verwenden seit mehreren Monaten einen Nagellack, der laut Hersteller ohne synthetische Kunststoffpolymere auskommt und grundsätzlich eine interessante Zusammensetzung besitzt.

Der deutliche Nachteil sind die zahlreichen Duftstoffe beziehungsweise ätherischen Öle. Auch natürliche Duftstoffe können Kontaktallergien auslösen. Deshalb verwenden wir den Nagellack nur begrenzt und betrachten ihn nicht als perfekte Lösung.

Einen vollständig überzeugenden Nagellack für Kinder haben wir bisher nicht gefunden. Wir suchen weiterhin nach einem Produkt, das möglichst ohne Kunststoffpolymere, problematische Weichmacher und unnötige Duftstoffe auskommt.

Vorteile

  • Laut Hersteller ohne synthetische Kunststoffpolymere
  • Seit mehreren Monaten im Alltag verwendet
  • Kein Gel- oder UV-System notwendig
  • Für gelegentliche Anwendungen ein möglicher Kompromiss
  • Kein starkes Abfeilen der Nägel erforderlich

Nachteile

  • Enthält zahlreiche natürliche Duftstoffe
  • Der Preis
  • Ätherische Öle können Kontaktallergien auslösen
  • Nicht vollständig frei von gesundheitlichen Kompromissen
  • Für nagelkauende Kinder ungeeignet
  • Kein von uns vollständig überzeugend bewertetes Produkt

Quellen und Stand

Stand der Prüfung: September 2026

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