Welche plastikfreien Putztücher funktionieren?

Welche plastikfreien Putztücher funktionieren?

Kurzfazit

Mikrofasertücher reinigen gut, bestehen aber meist aus Polyester, Polyamid oder einer Mischung daraus. Durch Reibung und Waschen können sich Kunststofffasern lösen und ins Abwasser oder in den Hausstaub gelangen. Putztücher aus Baumwolle sowie schwedische Geschirrtücher aus Cellulose und Baumwolle reduzieren synthetische Fasern, sind im Alltag aber nicht automatisch perfekt. Wir haben beide Alternativen ausprobiert – und bei beiden klare Vor- und Nachteile entdeckt.

Woraus bestehen Mikrofasertücher?

Mikrofasertücher bestehen nicht immer aus reinem Polyester. Viele Reinigungstücher werden aus einer Mischung von Polyester und Polyamid hergestellt.

Die besonders feinen Fasern sorgen für eine grosse Oberfläche. Dadurch können Mikrofasertücher Schmutz und Flüssigkeit gut aufnehmen und teilweise sogar ohne viel Reinigungsmittel verwendet werden. Genau diese feine Faserstruktur ist jedoch auch der Grund, weshalb wir nach Alternativen suchen.

Bei jeder Verwendung wird das Tuch über raue oder verschmutzte Oberflächen gerieben. Zusätzlich wird es beim Ausspülen und in der Waschmaschine mechanisch beansprucht. Mit der Zeit können einzelne Fasern brechen und sich aus dem Gewebe lösen.

Kunststofffasern beim Putzen

Bei älteren Reinigungstüchern sieht man manchmal feine Fäden oder Fusseln auf Glasflächen. Diese können vom Tuch stammen. 

Lose Kunststofffasern können:

  • auf der gereinigten Oberfläche zurückbleiben
  • beim nächsten Abwischen ins Wasser gelangen
  • sich im Hausstaub sammeln
  • mit der Raumluft aufgewirbelt werden

Mikroplastikfasern wurden bereits in Innenräumen und im Hausstaub nachgewiesen.  Wie gross sein Anteil an der gesamten Belastung ist, wurde bisher nicht ausreichend untersucht. Trotzdem handelt es sich um eine vermeidbare Quelle synthetischer Fasern.

Was passiert beim Waschen?

Beim Waschen verlieren sowohl synthetische als auch natürliche Textilien Fasern. Der wichtige Unterschied: Fasern aus Polyester oder Polyamid bestehen aus Kunststoff und werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut.

Kläranlagen können einen grossen Teil der Mikrofasern aus dem Abwasser entfernen, aber nicht sämtliche Partikel zurückhalten. Ein Teil gelangt mit dem gereinigten Wasser in Gewässer. Ein weiterer Teil sammelt sich im Klärschlamm und kann je nach Verwertung auf andere Weise in die Umwelt gelangen.

Je kleiner die Partikel werden, desto schwieriger sind sie zu messen und vollständig herauszufiltern. Besonders bei Nanoplastik bestehen noch grosse technische und wissenschaftliche Lücken. Der sinnvollste Ansatz ist deshalb, möglichst wenig Kunststoffabrieb entstehen zu lassen.

Welche Alternativen gibt es?

Reinigungstücher aus Baumwolle

Ein Tuch aus 100 Prozent Baumwolle enthält keine synthetischen Kunststofffasern. Baumwolle kann Flüssigkeit gut aufnehmen, ist waschbar und lässt sich lange verwenden.

Wichtig ist die vollständige Materialangabe. Mischgewebe können trotz der Bezeichnung „Baumwolltuch“ Polyester enthalten. Auch Nähgarn, Einfassungen oder aufgedruckte Motive können aus Kunststoff bestehen.

Für die praktische Nutzung ist ausserdem die Grösse entscheidend. Ein sehr grosses Tuch nimmt zwar viel Flüssigkeit auf, kann beim Auswringen und Putzen aber unhandlich werden. Kleinere, sauber gesäumte Baumwolltücher könnten für uns die bessere Variante sein.

Schwedische Geschirrtücher

Schwedische Geschirrtücher bestehen üblicherweise aus einer Mischung aus Cellulose und Baumwolle. Sie saugen viel Flüssigkeit auf, benötigen wenig Platz und eignen sich gut für Arbeitsflächen, Lavabos oder verschüttete Flüssigkeiten.

Ihr typischer Nachteil zeigt sich beim Trocknen: Das Material wird fest und behält häufig die Form, in der es aufgehängt oder abgelegt wurde. Sobald das Tuch wieder nass wird, wird es weich und flexibel. Praktisch funktioniert es also – optisch und beim Aufbewahren ist es für uns aber nicht ideal.

Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Deklaration. Nicht jedes Produkt ist automatisch frei von Kunststoff, synthetischen Bindemitteln, Beschichtungen oder kunststoffhaltigen Druckfarben.

Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Ein Spezialgeschäft ist nicht zwingend notwendig. Geeignete Tücher können auch in Haushaltsläden, Unverpackt-Läden, Textilgeschäften oder direkt bei Herstellern gefunden werden. Entscheidend sind weniger die Werbeaussagen als die konkreten Angaben:

  • vollständige Materialzusammensetzung
  • keine Polyester- oder Polyamidbeimischung
  • handliche Grösse
  • sauber vernähte Ränder
  • Waschbarkeit bei mindestens 60 Grad, wenn das Tuch in der Küche eingesetzt wird
  • gute Trocknungsmöglichkeit
  • keine unnötige Kunststoffverpackung

Eine günstige Alternative können zugeschnittene Tücher aus alten Baumwollhandtüchern sein. Die Kanten sollten gesäumt werden, damit das Gewebe nicht ständig ausfranst.

Hygiene bleibt wichtig

Unabhängig vom Material müssen Reinigungstücher nach der Verwendung ausgespült und vollständig getrocknet werden. Für Geschirr, Arbeitsflächen und Fussböden sollten getrennte Tücher verwendet werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Küchen- und Reinigungstücher möglichst häufig zu wechseln, mindestens einmal pro Woche bei 60 Grad zu waschen und nach jeder Verwendung gut trocknen zu lassen. Nach Kontakt mit rohen tierischen Lebensmitteln ist ein sofortiger Wechsel sinnvoll.

Unsere Erfahrungen im Alltag

Produkt: Reinigungstuch aus 100 Prozent Baumwolle

Testdauer: 1 Jahr

Bewertung: ~ Material überzeugt, Grösse noch nicht

Produktlink: Reinigungstuch aus 100 Prozent Baumwolle ansehen

Wir haben ein Reinigungstuch aus 100 Prozent Baumwolle ausprobiert. Mit dem Material sind wir grundsätzlich zufrieden. Es nimmt Wasser auf, lässt sich waschen und kommt ohne synthetische Hauptfasern aus.

Unser konkretes Tuch ist für uns allerdings zu gross. Durch die grosse Fläche wird es beim Putzen und Auswringen unhandlich. Das ist kein grundsätzlicher Nachteil von Baumwolle, sondern eine Frage der Abmessungen. Beim nächsten Kauf würden wir bewusst ein kleineres, handlicheres Tuch wählen.

Produkt: Schwedisches Geschirrtuch aus Cellulose und Baumwolle

Testdauer: 2 Jahre

Bewertung: ~ Funktioniert gut, wird trocken aber hart

Produktlink: Schwedisches Geschirrtuch ansehen

Als zweite Alternative verwenden wir schwedische Geschirrtücher aus Cellulose und Baumwolle. Im feuchten Zustand funktionieren sie gut und eignen sich besonders für die Küchenarbeitsfläche oder das Lavabo. Sie sind saugfähig, kompakt und lassen sich einfach ausspülen.

Der grösste Nachteil ist für uns das Verhalten beim Trocknen. Das Tuch wird hart und behält die Form, in der es über dem Lavabo oder einem Halter hängt. Sobald es nass wird, ist es wieder weich. Es ist damit brauchbar, aber für uns noch nicht die perfekte Lösung.

Vorteile

  • weniger synthetische Fasern im Haushalt
  • kein Kunststoff als Hauptmaterial
  • beide Alternativen sind wiederverwendbar
  • Baumwolle ist weich und waschbar
  • schwedische Geschirrtücher sind kompakt und saugfähig
  • weniger Kunststoffabrieb beim Putzen und Waschen

Nachteile

  • unser Baumwolltuch ist zu gross und unhandlich
  • Baumwolle kann Fusseln verlieren
  • schwedische Geschirrtücher werden trocken hart
  • nicht jedes vermeintliche Naturtuch ist plastikfrei
  • feuchte Tücher können Bakterien vermehren
  • das für uns perfekte Reinigungstuch haben wir noch nicht gefunden

Fazit

Mikrofasertücher funktionieren gut, bestehen aber meistens aus synthetischen Fasern und können beim Putzen und Waschen Kunststoffabrieb freisetzen. Deshalb möchten wir sie schrittweise durch plastikfreie oder zumindest plastikärmere Tücher ersetzen.

Baumwolle überzeugt uns als Material, bei unserem Produkt passt jedoch die Grösse nicht. Schwedische Geschirrtücher funktionieren im feuchten Zustand gut, werden beim Trocknen aber unangenehm hart. Beide Varianten sind brauchbare Alternativen – die perfekte Kombination aus Material, Grösse, Saugfähigkeit und Handhabung suchen wir noch.

Quellen und Stand

Stand der Prüfung: September 2026

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