Unterwegs

Bastelglitzer aus Kunststoff: Warum du ihn ersetzen solltest
Kurzfazit
Alten losen Kunststoffglitter würden wir nicht aufbrauchen, sondern direkt ersetzen. Bei jeder Verwendung werden die Partikel grossflächig verteilt und lassen sich kaum wieder vollständig einsammeln.
Warum klassischer Glitzer problematisch ist
Loser Bastelglitter besteht häufig aus winzigen Folienpartikeln aus PET oder anderen Kunststoffen. Er ist damit absichtlich hergestelltes Mikroplastik.
Beim Basteln verteilt sich der Glitter auf Händen, Kleidung, Böden und Möbeln. Von dort gelangt er über Abwasser, Hausstaub und Abfall weiter in die Umwelt. Auch draussen sollte Glitter niemals verstreut werden.
Gesundheit
Feine Glitterpartikel können über Hände und Hausstaub in den Mund gelangen oder eingeatmet werden. Wie gross das gesundheitliche Risiko bei gelegentlichem Basteln ist, lässt sich bisher nicht zuverlässig beziffern. Die unnötige Aufnahme lässt sich jedoch einfach vermeiden.
Besonders wichtig: Bastelglitter gehört nicht auf das Gesicht, in die Nähe der Augen oder auf die Lippen. Dafür dürfen nur ausdrücklich geeignete Kosmetikprodukte verwendet werden.
Was gilt in der EU und der Schweiz?
In der EU darf loser, nicht abbaubarer Kunststoffglitter für Bastel- und Spielzwecke seit dem 17. Oktober 2023 grundsätzlich nicht mehr neu in Verkehr gebracht werden. Bereits vorher vorhandene Lagerbestände durften jedoch weiterverkauft werden.
In der Schweiz endeten die Übergangsbestimmungen für losen Kunststoffglitter am 30. April 2026. Produkte, die bereits vor dem 1. Juni 2026 in Verkehr gebracht wurden, dürfen weiterhin abverkauft werden.
Ein neu gekauftes Produkt ist deshalb nicht automatisch plastikfrei. Entscheidend ist die Materialangabe und nicht allein das Kaufdatum.
Woran erkenne ich Kunststoffglitter?
Hinweise auf klassischen Kunststoffglitter können folgende Bezeichnungen sein:
- PET oder Polyethylenterephthalat
- Polyester
- Polyethylen oder PE
- Polypropylen oder PP
- Acryl beziehungsweise Acrylate
- PVC
Fehlt eine klare Materialangabe, sollte beim Hersteller nachgefragt werden. Begriffe wie «Öko», «umweltfreundlich» oder «biologisch abbaubar» reichen allein nicht aus.
Fest in Kleber, Farbe oder einem Gegenstand eingeschlossener Glitter ist nicht mit losem Bastelglitter gleichzusetzen. Bereits fertige Glitzerkarten oder Dekorationen müssen deshalb nicht pauschal entsorgt werden.
Muss ich alten Bastelglitter wirklich ersetzen?
Unsere Antwort lautet: Ja. Loser Kunststoffglitter ist eines der wenigen Produkte, das wir nicht zuerst aufbrauchen würden. Gerade seine Verwendung führt dazu, dass das Mikroplastik absichtlich verteilt wird.
Den Behälter geschlossen halten und entsprechend den örtlichen Vorgaben im Restabfall entsorgen. Glitter niemals lose ausschütten oder über Waschbecken und Toilette entsorgen.
Bereits verstreute Partikel lassen sich mit einem feuchten Tuch oder Klebeband aufnehmen. Das Tuch anschliessend nicht auswaschen, sondern zusammen mit dem Glitter im Restabfall entsorgen.
Welche Alternativen sind sinnvoll?
Geeignet sind Produkte, deren Hersteller nachvollziehbar bestätigt, dass sie kein unlösliches Kunststoff-Mikroplastik enthalten. Möglich sind beispielsweise wasserlösliche oder nach anerkannten Verfahren abbaubare Materialien.
Auch plastikfreier Glitter sollte nicht in die Natur oder ins Abwasser gelangen. Untersuchungen zeigen, dass selbst manche als biologisch abbaubar beworbenen Alternativen ökologische Auswirkungen haben können.
Noch einfacher sind:
- ausgestanzte Papierformen
- selbst geschnittenes Konfetti
- wiederverwendbare Pailletten
- glänzendes Papier oder Karton
- fest gebundener Glitterkleber ohne freisetzbares Mikroplastik
Umwelt
Glitter besitzt kaum Gewicht, verteilt sich aber extrem weit. Die Partikel werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut und können von Tieren mit Nahrung verwechselt werden.
Deshalb ist das Ersetzen von losem Kunststoffglitter ein kleiner Schritt mit einem besonders klaren Nutzen: Es wird verhindert, dass absichtlich hergestelltes Mikroplastik direkt in die Umgebung gelangt.
Unsere Haltung im Alltag
Vorhandenen Kunststoffglitter würden wir nicht weiterverwenden. Wir kontrollieren ältere Bastelvorräte anhand der Materialangaben und ersetzen losen Plastikglitter durch eine nachvollziehbar kunststofffreie Alternative. Wir selbst habe bis zur Erstellung dieses Beitrags noch keine passende Alternative aus z.B. Zellulose gefunden. Somit besitzen wir momentan kein Glitzer mehr zuhause.
Vorteile
- verhindert die direkte Verteilung von Mikroplastik
- plastikfreie Alternativen sind erhältlich (aber sehr rar)
- einfache und sofort umsetzbare Veränderung
- Basteln mit Glitzereffekt bleibt möglich
Nachteile
- Materialangaben sind nicht immer eindeutig
- «biologisch abbaubar» garantiert keine Umweltverträglichkeit
- auch Alternativen sollten nicht draussen verstreut werden
- alter Glitter muss geschlossen entsorgt werden
Fazit
Loser Kunststoffglitter ist nicht notwendig . Momentan lässt er sich nicht einfach ersetzen, da es wenige Anbieter gibt, welche wirklich plastikfreien Glitzer anbieten. Alte Behälter sollten geschlossen entsorgt und nicht aufgebraucht werden. Beim Neukauf zählt eine klare Materialangabe mehr als Begriffe wie «Bio» oder «Öko».
Quellen und Stand
- Europäische Kommission: Beschränkung von Mikroplastik und Kunststoffglitter
- Europäische Chemikalienagentur: Mikroplastik und geltende Beschränkungen
- BAFU: Erläuterungen zur Schweizer Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Mikroplastik – Fakten und offene Fragen
- Studie: Auswirkungen von herkömmlichem und biologisch abbaubarem Glitter
- Studie: Abbauverhalten kommerzieller sogenannter Öko-Glitter
Stand: September 2026