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 Was du über Polyester, Fleece und Mikroplastik wissen solltest

Was du über Polyester, Fleece und Mikroplastik wissen solltest

Kurzfazit

Kleidung aus Polyester, Polyamid und anderen Kunstfasern kann beim Tragen, Waschen und Trocknen feine Kunststofffasern freisetzen. Besonders relevant sind stark fusselnde oder aufgeraute Textilien wie manche Fleeceprodukte. Trotzdem muss nicht der gesamte Kleiderschrank ersetzt werden: Gut erhaltene Kleidung darf weitergetragen werden. Beim Neukauf lohnt es sich, Naturfasern zu bevorzugen und Kunstfasern dort einzusetzen, wo sie einen wirklichen funktionellen Vorteil bieten.

Warum Kunstfaserkleidung problematisch sein kann

Kunstfasern bestehen aus synthetischen Polymeren und damit aus Kunststoff. Durch Reibung, Bewegung, Waschen und Trocknen können sich Fasern aus dem Gewebe lösen. Ein Teil gelangt ins Abwasser, ein anderer in den Hausstaub und in die Raumluft.

Wie viel ein Kleidungsstück verliert, hängt nicht nur vom Material ab. Auch Garn, Gewebestruktur, Verarbeitung, Alter und Oberflächenbehandlung spielen eine wichtige Rolle. Dicht gewebte und glatte Stoffe können deutlich weniger Fasern verlieren als lockere, aufgeraute oder stark fusselnde Textilien.

Besonders manche Fleece- und Mikrofaserstoffe setzen vergleichsweise viele Fasern frei. Die Kunststofffasern können in der Umwelt weiter zerfallen. Wie viele Nanoplastikpartikel dabei entstehen, lässt sich bisher allerdings nur schwer zuverlässig messen.

Welche Bezeichnungen stehen für Kunstfasern?

Zu den häufig verwendeten Kunststoffen in Kleidung gehören:

  • Polyester oder PES
  • Polyamid oder PA, häufig als Nylon bezeichnet
  • Polyacryl oder PAN
  • Elasthan oder EL, auch Lycra beziehungsweise Spandex
  • Polypropylen oder PP
  • Polyurethan oder PU, häufig in Beschichtungen und Membranen
  • Elastomultiester oder EME
  • Elastolefin oder EOL

Auch recyceltes Polyester bleibt Kunststoff und kann Fasern verlieren. Der Begriff «Mikrofaser» bezeichnet dagegen keine bestimmte Faserart. Solche Stoffe bestehen meistens aus besonders feinem Polyester oder Polyamid.

Muss ich Kunstfaserkleidung wirklich ersetzen?

Nein. Intakte, gut verarbeitete und kaum fusselnde Kleidung sollte nicht vorschnell entsorgt werden. Ihre weitere Nutzung ist meistens sinnvoller als ein sofortiger Neukauf.

Zuerst genauer anschauen würden wir:

  • sichtbar fusselndes oder stark aufgerautes Fleece
  • Kleidung mit deutlicher Knötchenbildung und beschädigten Fasern
  • kurzlebige Kunstfaserprodukte schlechter Qualität
  • körpernahe Kleidung, die scheuert oder die Haut reizt
  • Kunstfasertextilien, die kaum noch verwendet werden

Eine raue Oberfläche allein beweist noch keinen besonders hohen Faserverlust. Sichtbares Fusseln und eine stark beschädigte Struktur sind jedoch gute Gründe, das Kleidungsstück nicht mehr jahrelang weiterzutragen.

Unterwäsche und Kinderkleidung

Unterwäsche liegt viele Stunden täglich direkt auf der Haut. Wärme, Schweiss und Reibung können Hautreizungen zusätzlich begünstigen. Deshalb bevorzugen wir hier weiche und möglichst wenig behandelte Stoffe mit einem hohen Anteil an Baumwolle, Wolle oder anderen geeigneten Zellulose- und Naturfasern.

Auch bei Baby- und Kinderkleidung lohnt sich eine bewusste Materialwahl. Die Hautbarriere entwickelt sich während der ersten Lebensjahre weiter und empfindliche Kinder reagieren möglicherweise stärker auf raue Stoffe, Farbstoffe, Ausrüstungen oder Waschmittelrückstände.

Dass Kunststofffasern aus normaler Kleidung in bedeutender Menge direkt durch die gesunde Haut dringen, ist jedoch nicht belegt. Beim Mikroplastik stehen derzeit vor allem die Freisetzung in Luft und Abwasser sowie die mögliche Aufnahme über die Atemwege und den Mund im Mittelpunkt.

Mehr dazu: Waschmittel und Wäschepflege

Welche Alternativen sind sinnvoll?

Geeignete Materialien sind je nach Kleidungsstück:

  • Baumwolle
  • Leinen
  • Hanf
  • Wolle und Merinowolle
  • Seide
  • Ramie

Lyocell, Modal und Viskose werden industriell aus Zellulose hergestellt. Sie sind deshalb keine klassischen Naturfasern, bestehen aber auch nicht aus den üblichen erdölbasierten Kunststoffen. Herstellung und Umweltbilanz können sich je nach Verfahren stark unterscheiden.

Bei vermeintlicher Bambuskleidung lohnt sich ein genauer Blick: Weiche «Bambustextilien» bestehen meistens aus Viskose, bei der Bambus lediglich als Ausgangsstoff für die Zellulose verwendet wurde.

Ein kleiner Elasthananteil von beispielsweise fünf Prozent kann ein vernünftiger Kompromiss sein, wenn das Kleidungsstück dadurch besser sitzt und länger getragen wird. Mischgewebe lassen sich allerdings schwieriger recyceln.

Kunstfasern sinnvoll einsetzen

Bei Sport-, Regen- und Outdoorbekleidung sind Kunstfasern schwerer zu vermeiden. Polyamid ist leicht, widerstandsfähig und trocknet schnell. Elasthan ermöglicht körpernahe und bewegliche Kleidung.

Wenn eine Naturfaser den benötigten Zweck nicht erfüllt, ist ein langlebiges und gut verarbeitetes Kunstfaserprodukt ein vertretbarer Kompromiss. Sinnvoll sind glatte, dichte Stoffe, die nicht sichtbar fusseln. Das Kleidungsstück sollte möglichst lange genutzt und nur gewaschen werden, wenn es tatsächlich nötig ist.

Kurze, kühle Waschprogramme und eine gut gefüllte, aber nicht überladene Maschine können den Faserverlust reduzieren. Ein Wäschesack oder ein geeigneter Maschinenfilter kann einen Teil der Fasern auffangen, verhindert die Freisetzung aber nicht vollständig.

Umwelt

Synthetische Textilfasern gelangen beim Waschen ins Abwasser und beim Tragen oder Trocknen in die Luft. Kläranlagen halten einen grossen Anteil zurück, doch damit verschwindet das Problem nicht: Zurückgehaltene Fasern können sich im Klärschlamm sammeln und je nach Entsorgung erneut in die Umwelt gelangen.

Naturfasern verlieren beim Waschen ebenfalls Fasern. Der entscheidende Unterschied ist, dass Baumwolle oder Wolle kein dauerhaftes Kunststoff-Mikroplastik bilden. Trotzdem ist auch eine Naturfaser nicht automatisch nachhaltig. Anbau, Wasserverbrauch, Tierhaltung, Färbung, Verarbeitung und Lebensdauer müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Gesundheit

Dass Menschen Mikro- und Nanoplastik über die Luft, Nahrung und Getränke aufnehmen, ist belegt. Textilien gehören zu den möglichen Quellen von Fasern in der Innenraumluft.

Welche gesundheitliche Belastung gewöhnliche Kunstfaserkleidung im Alltag tatsächlich verursacht, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich beziffern. Klar ist jedoch, dass stark fusselnde Textilien die vermeidbare Belastung von Raumluft und Umwelt erhöhen. Ihre Reduktion ist deshalb eine sinnvolle Vorsorgemassnahme.

Unsere Erfahrungen im Alltag

Wir haben einen grossen Teil unserer T-Shirts und Jacken durch Kleidung aus Baumwolle, Merinowolle oder anderer Wolle ersetzt. Merinowolle empfinden wir als weich und angenehm temperaturregulierend. Leinen ist besonders an warmen Tagen eine gute Alternative.

Auch Schuhe lassen sich kaum vollständig kunststofffrei kaufen. Unsere Finken aus Merinowolle besitzen beispielsweise weiterhin eine Kunststoffsohle und werden von uns wegen ihres Materials vorzugsweise mit Socken getragen.

Für uns ist das ein vernünftiger Mittelweg: Naturfasern dort, wo sie im Alltag gut funktionieren, und langlebige Kunstfasern dort, wo ihre Eigenschaften tatsächlich benötigt werden.

Vorteile

  • weniger dauerhaftes Mikroplastik
  • angenehme und temperaturregulierende Materialien
  • viele Alternativen für Alltagskleidung erhältlich
  • bewussterer und häufig langlebigerer Einkauf

Nachteile

  • Naturfasern sind oft teurer
  • Wolle benötigt eine angepasste Pflege
  • Kunstfasern sind bei Sport und Outdoor schwer ersetzbar
  • Mischgewebe und Kunststoffsohlen bleiben häufig bestehen

Fazit

Kunstfaserkleidung muss nicht vollständig und sofort verschwinden. Der grösste Hebel liegt darin, stark fusselnde Fleeceprodukte und kurzlebige Kunstfasertextilien zuerst zu reduzieren. Gut erhaltene Kleidung darf weitergetragen werden. Beim Neukauf bevorzugen wir langlebige Natur- und Zellulosefasern – mit kleinen Kunstfaseranteilen dort, wo sie Passform, Haltbarkeit oder Funktion deutlich verbessern.

Quellen und Stand

Stand der Prüfung: September 2026

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